Mehr Aktivität durch frische Luft

Mehr Aktivität durch frische Luft

« Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Luftqualität und der Leistungsfähigkeit? »

Wer kennt es nicht, wenn sich viele Menschen lange in einem Raum aufhalten und nach gewisser Zeit das große Gähnen beginnt? Wer sich müde fühlt und dauerhaft gähnt, hört oft von anderen Anwesenden, dass er wohl frische Luft braucht. Doch was hat es damit auf sich und was bewirkt die kurze Aktivität im Freien? Die Luftqualität hat tatsächlich Auswirkungen auf die physische und psychische Arbeitsleistung und genau damit befassen wir uns näher.

Das Phänomen der allgemeinen Müdigkeit, wenn sich viele Personen in einem Raum befinden, ist nicht unbedingt auf einen schlechten Referenten zurückzuführen – auch das Raumklima kann Schuld haben. Alle Menschen atmen. Die frische Luft, die wir einatmen hat dabei eine andere Zusammensetzung als diejenige, die wir wieder ausatmen. Die Veränderung der Zusammensetzung bewirkt, dass sich die Raumluft nach einiger Zeit nicht nur verbraucht anfühlt – sie ist es tatsächlich.

Selbst wenn die gewählte Räumlichkeit eine angemessene Größe hat, kann dieser Punkt bereits nach einer Stunde oder weniger erreicht sein.

Der Mensch atmet durchschnittlich 15 Mal pro Minute und bewegt pro Atemzug durchschnittlich knapp einen halben Liter der Luft. Sitzen nun 100 Personen in diesem Raum, ist selbst die Raumluft eines mittelgroßen Vorlesungssaals innerhalb einer Stunde verbraucht, was sich auch auf die Aktivität auswirkt. Die regelmäßige Pause und eine gute Zufuhr von Frischluft, etwa durch Lüften, sind daher unumgänglich, wenn der Referent möchte, dass ihm tatsächlich jemand zuhört.

Die Zusammensetzung der gewöhnlichen Luft

Etwa 99 % des normalen Luftvolumens wird von zwei Gasen gestellt. Frische Luft enthält ca. 78 % Stickstoff und knapp 20 % Sauerstoff. Letzterer ist für den Menschen von besonderer Bedeutung, da der Sauerstoff als Treibstoff des menschlichen Herz-Kreislauf-Systems dient. Ein Mensch, der in eine Situation von starkem Sauerstoffmangel gerät, wird meist innerhalb von zehn Sekunden bewusstlos und bereits nach etwa fünf Minuten nimmt das Gehirn irreparable Schäden.

Atmung des Menschen
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Ein Teil des Sauerstoffs wird im Körper von den Organen verbraucht beziehungsweise umgewandelt und als Kohlendioxid wieder ausgestoßen. Das führt dazu, dass die Luftzusammensetzung beim Ausatmen nur noch etwa 16 % Sauerstoff enthält, dafür aber 4 % Kohlendioxid, das in großen Mengen toxisch wirkt.

Verminderte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit durch verbrauchte Luft
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Sitzen nun viele Menschen dauerhaft in einem Zimmer mit geschlossenen Türen und Fenstern, dann sinkt folglich der Sauerstoffanteil in der Raumluft, während der Anteil des Kohlendioxids ansteigt. Dies führt dann zu den leichteren Symptomen, der verminderten Leistungsfähigkeit und Müdigkeit.

Vor weitergehenden Auswirkungen bewahrt die Pause und ein wenig frische Luft durch kurzes Stoßlüften.

Weitere Auswirkungen vieler Personen an einem Ort kann ein Anstieg der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit sein. Die beste Temperatur liegt, je nach persönlichem Empfinden, zwischen 20 und 22 °C. Die Luftfeuchtigkeit sollte im Bereich zwischen 40 und 60 % liegen. Selbstverständlich kann das subjektive Gefühl andere Werte als angenehm empfinden, aber die genannten Bereiche gelten für die meisten Menschen.

Auswirkungen einer zu hohen Konzentration an Kohlenstoffdioxid auf das Raumklima

Bereits bei einem geringen Anteil von einem Prozent kann die Aktivität zurückgehen und es zur Ermüdung kommen. Mit steigender Konzentration kommen dann Erscheinungen wie ein beschleunigter Puls, trockene Augen und vermindertes Hörvermögen zum Vorschein, später dann Schwindel, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen. Bei einer sehr starken Exposition kann es sogar zu Muskelzittern, starken Schweißausbrüchen und im schlimmsten Fall zur Ohnmacht kommen.

Auswirkungen einer zu hohen Konzentration an Kohlenstoffdioxid auf das Raumklima
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Die Kombination aus Mangel an Sauerstoff und Überkonzentration an Kohlenstoffdioxid kann in extremen Fällen also für den Menschen sehr gefährlich werden. Mit steigendem Anteil in der Raumluft verkürzt sich die Zeit, nach der die Symptome auftreten.

Wenn die frische Luft verschwindet: Auswirkungen für Schüler, Studenten und Angestellte

Besonders in geschlossenen Räumen sorgt die Umwandlung von O2 in CO2 für eine Minderung der Leistungsfähigkeit. Dies gilt gleichermaßen in der Schule, dem Vorlesungssaal der Universität und der Werkstatt. Geschlossene Räume ohne die Möglichkeit für einen Austausch durch regelmäßiges Lüften setzen somit, wie oben beschrieben, die körperliche und geistige Arbeitsleistung herab. Zusätzlich zum generellen Gefühl von Unwohlsein erhöht eine dauerhafte Überkonzentration von CO2 die Gefahr einer Übersäuerung im Körper.

Auswirkungen für Schüler, Studenten und Angestellte
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Diesen kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen kann durch mehrfaches Lüften am Tag begegnet werden. Zum effektiven Lüften sollten einfach alle Fenster und Türen geöffnet und die Heizungen abgedreht werden. Wer sich während dieses kurzen Zuges unwohl fühlt, kann das Lüften in die Pausenzeiten verlagern, wenn niemand im Raum ist. Ein kurzer Durchzug von fünf bis zehn Minuten reicht dabei in der Regel aus, um die verbrauchte Raumluft größtenteils zu tauschen. Nicht zu empfehlen ist das Ankippen der Fenster über längere Zeit, da hierbei nur das Zimmer auskühlt.

Aktivität und frische Luft: Gibt es einen Zusammenhang?

Eine Überkonzentration an CO2 schläfert den Körper ein und schadet diesem, während der Sauerstoff im Umkehrschluss aktivierend wirkt und eine reinigende Wirkung aufweist. Außerdem regt jede körperliche Aktivität den Kreislauf an, was sich wiederum in einem besseren Wohlbefinden manifestiert. Das liegt überwiegend daran, dass Organe während der körperlichen Aktivität besser mit Blut versorgt werden, wodurch auch die Sauerstoffversorgung verbessert wird.

Der Spaziergang an der frischen Luft ist also kein Placebo, sondern hilft dem Körper tatsächlich, sich besser zu fühlen und den Geist zu aktivieren.

Hier zeigt sich nun die nachteilige Wechselwirkung zwischen Frischluft und Aktivität. Wer sich in seinem Zimmer einschließt und nicht bewegt, senkt durch die Atmung den Sauerstoffgehalt im Raum und wird durch die hohe Menge an Kohlenstoffdioxid noch zusätzlich müde. Jemand hingegen, der bei einem Spaziergang frische Luft genießt, verschafft seinem Körper eine willkommene Abwechslung zur verbrauchten Raumluft, wie sie an sehr vielen Arbeitsplätzen vorherrscht.

Spaziergang an der frischen Luft
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Wer also mit häufigen Schwierigkeiten bei der langfristigen Konzentration zu kämpfen hat, könnte als erste Gegenmaßnahme für fünf Minuten das Fenster öffnen, um für Frischluft zu sorgen. Selbst bei Verwendung einer Klimaanlage wird das Lüften nicht vollends überflüssig. Die Klimaanlage reguliert zwar die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit, verändert allerdings nicht die Zusammensetzung der Raumluft. Ein wenig frische Luft kann also in so manchen Situationen kleine Wunder bewirken und schaltet unerwartete Reserven der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit frei.

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